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Orff Schulwerk

Carl Orff Schulwerk - Elementare Musik- und Tanzpädagogik

Die Idee zu der heute weltweit verbreiteten musikpädagogischen Konzeption ›Orff-Schulwerk‹ entstand in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts in München.

In der von Dorothee Günther und Carl Orff 1924 gegründeten Günther-Schule für Gymnastik und Tanz ging man, beeinflusst vom Ausdruckstanz Mary Wigmans und von der Erforschung außereuropäischer Musik durch Curt Sachs neue Wege.

Zum Klavier traten Perkussionsinstrumente hinzu und der Tanz wurde aus fließenden Bewegungen entwickelt. In beiden Ausdrucksformen, in Musik und Tanz spielte die Improvisation eine wichtige Rolle.

So wurde die Verbindung von Musik und Bewegung sowie das Prinzip der Improvisation von Anfang an konstitutiv für Orffs Idee einer ›Elementaren Musik‹.

»Elementare Musik ist nie Musik allein, sie ist mit Bewegung, Tanz und Sprache verbunden, sie ist eine Musik, die man selbst tun muss, in die man nicht als Hörer, sondern als Mitspieler einbezogen ist. « (Carl Orff)

Dieser kulturübergreifende Ansatz erforderte eine besondere pädagogische Einführung und geschulte Lehrkräfte, denn vieles daran war für Musiker und Pädagogen zunächst ungewohnt: Das Instrumentarium mit Schlaginstrumenten und Blockflöten, der Tanz und vor allem die Improvisation.

Nach längerer Werkstattarbeit in der Günther-Schule und mehreren pädagogischen Kursen veröffentlichte Orff zusammen mit Gunild Keetman und Hans Bergese beim Schott-Verlag Mainz 1932-1935 das ›Orff-Schulwerk. Elementare Musikübung‹. Es enthielt eine Einführung in die Praxis der Gruppenimprovisation, Hefte zur Spieltechnik der Schlaginstrumente und Kompositionen fürs Ensemblespiel.

Der unterbrochene Weg des Orff-Schulwerks wurde 1948 mit einer Sendereihe im Schulfunk des Bayerischen Rundfunks fortgesetzt, für die Carl Orff, Gunild Keetman und Gertrud Orff  Sprach-, Lied- und Instrumentalgestaltungen entwarfen, die als Modelle und Ausgangsmaterial für die improvisatorische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen konzipiert waren.

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Die neu gegründete Firma Studio 49 begann mit der Produktion des ›Orff-Instrumentariums‹ und der Schott-Verlag veröffentlichte in den Jahren 1950-54 das ständig erweiterte Repertoire der Sendungen in fünf Bänden unter dem Titel ›Orff-Schulwerk. Musik für Kinder‹.

Die Intention dieses Schulwerk-Klassikers bestand darin, einen Baukasten für einen fantasievollen Musikunterricht bereitzustellen, aus dem Lehrer/innen das Material dem jeweiligen Leistungsstand der Kinder entsprechend auswählen, variieren und mit szenischem Spiel und Tanz verbinden sollten.

Der pädagogische und künstlerische Anspruch des Schulwerks mit seiner Verbindung von Musik, Sprache und Bewegung sowie dem Prinzip der Improvisation, also dem schriftlosen kreativen Musizieren, machte eine spezifische Ausbildung notwendig, die 1961 am Mozarteum eröffnet und 1963 als Orff-Institut in einem eigenen Gebäude fortgeführt wurde.

Seitdem hat die Konzeption OSW verschiedene Schwerpunkte gebildet wie die Musikalische Früherziehung, die integrative Arbeit in der Sozial- und Heilpädagogik, die Verbindung mit Tanz und Bildender Kunst als ästhetische Erziehung, die interkulturelle Perspektive, die Musiktherapie und das elementare Musiktheater. Mit dieser Differenzierung und der weltweiten Rezeption steht das OSW als musikpädagogische Konzeption im 20. Jahrhundert einzigartig dar.

Die Publikationen des OSWs ›Elementare Musikübung‹ (1932-1935) und des OSWs ›Musik für Kinder‹ (1950-1954) bieten notierte Modelle für einen handlungsorientierten Musikunterricht, spiegeln aber natürlich durch ihre schriftliche Fixierung die zeitbedingte Komponente kulturellen Handelns.

Fehldeutungen und Verfälschungen des OSWs entstehen bis heute gerade dadurch, dass Notate aus den OSW-Publikationen ohne ihren geistigen und pädagogischen Kontext, also vor allem ohne Improvisation und Bewegung reproduziert werden.

Eine authentische Realisierung des OSWs erfordert die Berücksichtigung bestimmter pädagogischer Prinzipien und inhaltlicher Vorgaben.

Das OSW als Elementare Musik- und Tanzpädagogik aktiviert ein anthropogenes Ausdruckspotential und kulturübergreifende musikalische Verhaltensweisen und eröffnet dadurch nicht nur musikpädagogische sondern viele allgemeinpädagogische, integrative und therapeutische Möglichkeiten.



Mit freundlicher Genehmigung,  aus: Michael Kugler, Carl Orff Schulwerk - Elementare Musik- und Tanzpädagogik, 2008.
www.orff.de/orff-schulwerk.html


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